Neun Familienbegleiter/innen im Projekt „Hörst du mich?“ ausgebildet

Siegen, 12.07.2017. „Das war eine tolle Weiterbildung und eine gute Ergänzung zu unserer Hospizschulung!“, so fasst Karla Hammer, ehrenamtliche Mitarbeiterin der Ambulanten ökumenischen Hospizhilfe Siegen ihre Erfahrungen zusammen, die sie in der Weiterbildung zur ehrenamtlichen Familienbegleiterin gemacht hat. Neun Ehrenamtliche erhielten von Katharina Jung, Koordinatorin für Ambulante Hospizarbeit beim Caritasverband Siegen-Wittgenstein e.V. und Projektleiterin von „Hörst du mich? – Hilfe für Kinder von lebensbedrohlich erkrankten Eltern“ im Rahmen einer kleinen Feierstunde ihre Zertifikate.

An acht Abenden setzten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit den Themen Kindheit, Familie, Sterben und Tod auseinander. Externe Referenten ergänzten die Schulung zu Fragen aus der Entwicklungspsychologie, zum System Familie oder Kommunikation. „Wichtig ist es, dass wir eine offene Haltung den Familien in einer existentiellen Krise gegenüber entwickeln und vor den Fragen und Ängsten nicht davon laufen. Dies ist der zentrale Baustein der Ausbildung. Das erlernte Fachwissen bietet hierfür einen Rahmen!“, bekräftigt Katharina Jung.

Jung bedankte sich ausdrücklich bei den neun frisch Ausgebildeten für ihre große Bereitschaft, sich mit diesem schwierigen Thema zu beschäftigen und betonte das wertvolle zivilgesellschaftliche Engagement im Sinne von Solidarität, Empathie und Verantwortung für die Kinder in einer solch belastenden Situation.

Gerrit Ebener-Greis, die erste Vorsitzende der Ambulanten ökumenischen Hospizhilfe Siegen e.V., beglückwünschte die neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu ihrem Zertifikat:
„Im Kreis Siegen-Wittgenstein und weit darüber hinaus sind es die ersten Mitarbeiter, die in diesem Bereich ausgebildet wurden!“

Praktische Erfahrungen in der Begleitung von Sterbenden haben alle der Teilnehmer schon vor der Ausbildung im Rahmen ihrer Tätigkeit als ehrenamtliche Hospizbegleiter gesammelt. Helga Hoffmann, langjährig ehrenamtlich tätig, resümiert: “Es ist sehr bemerkenswert, dass im Rahmen des Projektes „Hörst du mich?“ bereits schon viele Kontakte zu anderen Einrichtungen aus der Hospiz- und Palliativversorgung und zur Jugendhilfe entstanden sind – das ist für uns als Ehrenamtliche besonders wichtig, damit wir in den Familien in Zusammenarbeit mit den Profis eine gute Unterstützung sein können.“

Mit den Erlebnissen als Familienbegleiter/innen von Familien, in denen ein Elternteil lebensbedrohlich erkrankt ist, werden die Ehrenamtlichen nicht allein gelassen. Die regelmäßigen Treffen in der Gruppe und die hauptamtliche Koordinatorin geben den Ehrenamtlichen die nötige Sicherheit, die sie für die Einsätze brauchen.

„Hörst du mich?“ ist ein dreijähriges Projekt der Koordinationsstelle für Ambulante Hospizarbeit beim Caritasverband Siegen-Wittgenstein e.V. in Kooperation mit der Ambulanten ökumenischen Hospizhilfe Siegen e.V. Es richtet sich an Kinder, Jugendliche und deren Familien im Kreis Siegen-Wittgenstein.

Das Projekt wird von der Aktion Mensch gefördert. 30% des Projektvolumens müssen durch Spenden aufgebracht werden. Hierzu zählen unter anderem die Kosten für Fortbildung der Ehrenamtlichen, Einrichtung einer Trauergruppe für Kinder und Jugendliche im Kreis Siegen-Wittgenstein, Kinder und Jugendbücher, Fachliteratur, Materialien für die Trauerarbeit, Fahrtkostenerstattung und die Öffentlichkeitsarbeit wie Flyer oder Internetauftritt.

Spendenkonto
Bankverbindung:
IBAN: DE 68 460 500 010 002 119 394
BIC: WE LAD ED1 SIE
bei der Sparkasse Siegen mit dem Kennwort
Projekt „Hörst du mich“ und Ihrer Adresse
Weitere Infos: www.hörst-du-mich.de

Gut zu wissen
In Deutschland sind jährlich ca. 200.000 Kinder und Jugendlich vom Tod eines Elternteils betroffen. Bisher gibt es jedoch bundesweit nur vereinzelte Anlaufstellen für die Familien.
Werden die betroffenen Kinder nicht in den Veränderungsprozess mit einbezogen, entstehen häufig Schuldgefühle, Verhaltensauffälligkeiten und Angststörungen. Die Lebenssituation der Kinder wird durch die Erkrankung auch im Erwachsenenalter wesentlich beeinflusst.
Erfahren Kinder eine offene, situationsangemessene und über den Tod hinaus gehende Begleitung, kann es ihnen gelingen die enorme Belastungssituation und den Verlust des Elternteils, nicht traumatisch, sondern altersentsprechend zu bewältigen. So haben Kinder eine Chance den Verlust in ihr Leben zu integrieren und ein gesundes Leben führen.

Bildunterschrift (v.l.): Gudrun Paetsch, Christa Welzel, Karla Hammer, Christiane Howe, Wolfgang Ax, Anne Althaus, Christina Lohmeier, Katharina Jung. Es fehlt Helga Hoffmann