Eine Kur ist mehr als Erholung

Eine Kur ist mehr als Erholung

Viele Frauen sind ausgelaugt, wenn sie in den Fachkliniken der Caritas ankommen. Dort können sie auftanken. Klingt nach Urlaub, ist aber mehr: In der Kur haben die Frauen Zeit für die eigene Gesundheit. Außerdem können sie mit Experten über ihre Situation reden. Oft entstehen dabei Ideen für ein weniger stressiges Familienleben zu Hause.

Marion Steiner (Name von der Redaktion geändert) ist äußerlich die alte, als sie von ihrer Reha zurückkommt. „Ich bin jetzt wieder voller Tatendrang“, freut sich die 37-Jährige. Das sah vor einem Monat noch ganz anders aus. Nach zwei Fehlgeburten, einer strapaziösen Schwangerschaft und den Dreimonatskoliken ihres Sohnes war Marion Steiner körperlich und geistig erschöpft. Magenbeschwerden, Durchfall und Durchblutungsstörungen plagten sie. Und plötzlich litt die eigentlich fröhliche Frau unter depressiven Stimmungen. „Irgendwann konnte ich einfach nicht mehr“, erinnert sie sich.

Kuren, Caritas, Müter, Kinder, Väter

In einer Kur lernt man wieder die schönen Dinge des Lebens zu entdecken. Friedbert Simon, Pfarrbriefservice

Kuren kombinieren Erholung mit Therapie

„Wie Frau Steiner leiden die meisten Frauen, die zu uns kommen, unter tiefen Erschöpfungszuständen“, sagt Beatrix Lichtenberger, Leiterin des Marianne van den Bosch Hauses in Goch. Mütter- und Mutter-Kind-Kuren setzen dort an, wo ein Erholungsurlaub keine Regeneration mehr bietet, wo körperliche Beschwerden und psychosomatische Störungen eine gezielte Therapie notwendig machen. Mehr als die Hälfte der knapp 50.000 Frauen, die jährlich Mütter- oder Mutter-Kind-Kuren machen, sind berufstätig und leiden unter den hohen Anforderungen durch Beruf und Kindererziehung.

Stress und Überforderungen machen krank

Marion Steiner erkannte erst in der Mutter-Kind-Kur, dass viele ihrer körperlichen Beschwerden psychische Ursachen haben. „Ich bin krank geworden, weil ich mich andauernd überfordert habe.“ Diese Erkenntnis reifte jedoch erst langsam. „Während der ersten Woche in Goch war ich total angespannt und aggressiv“, erzählt Marion Steiner. Eine Woche später ist die Anspannung gewichen. „Ich genieße es, einfach mal nur Zeit für mich zu haben“, stellt Marion Steiner fest. Endlich kann sie mit Rückentraining, Massagen und autogenem Training etwas gegen ihre Beschwerden unternehmen. „Mir ist klar geworden, dass ich mir auch mal Pausen gönnen muss.“

Nachhaltige Hilfen für die Zeit nach der Reha

Viele Frauen haben bereits einen jahrelangen Leidensweg hinter sich, bevor sie eine Mutter-Kind-Kur machen: ein Arztbesuch nach dem anderen; Medikamente, die nicht halfen sowie falsche Diagnosen. Bei vielen wurden die Erschöpfungssymptome über Jahre klein geredet. „In drei Wochen können wir natürlich nicht alle Probleme lösen“, sagt Beatrix Lichtenberger von der Fachklinik in Goch, „doch wir wollen etwas anstoßen, was nachhaltig wirkt“. Und das gelingt in der Regel. Studien belegen, dass zwei Drittel der Mütter die positive Wirkung der Mütter- oder Mutter-Kind-Kur sogar noch ein Jahr später spüren. Ein Grund dafür ist, dass die Frauen auch nachher in ihrer Beratungsstelle vor Ort Ansprechpartnerinnen haben, die sie dabei unterstützen, die neu gewonnenen Erkenntnisse umzusetzen. Marion Steiner hat in Goch erkannt, dass sie etwas ändern muss, um gesund zu werden und zu bleiben. Sie hat beschlossen, die therapeutischen Gespräche zu Hause fortzuführen. „Für mich war die Kur eine Wende“, sagt sie.

Dieser Artikel erschien in einer längeren Fassung in „Frau und Mutter“, der Zeitschrift der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands.